Great press for Braunschweig and Bielefeld performances of Battleship Potemkin (translations coming soon...)

Here is a sampling of some of the great press from the performances conducted by Yati with the Braunschweig Stattsorchester at the opening of the Braunschweig International Film Festival 2018 on 5th Nov. and at the Murnau Music and Filmfest, Bielefeld on 28th Oct. All of the press is in German, but I’ll be translating it soon!

From Andreas Berger in the Braunschweiger Zeitung:

“Beim Filmfest war der schwarzweiße Stummfilm zu bewundern, weil dazu live musiziert werden kann, wie es der Themenschwerpunkt Filmmusik verlangt. So interpretierte das Staatsorchester unter Leitung des Komponisten Yati Durant dessen 2005 entstandene Begleitmusik, die sich klar in der klassischen Moderne verortet. Also endlich mal keine dicklich-schwülstige postmoderne Hollywood- Soße, wie in vergangenen Jahren oft, sondern eine anspruchsvolle, leicht dissonant reibende Komposition, die der herben Klarheit der Filmbilder entsprach, gleichzeitig gekonnt die emotionale Stimmung stützte.

Faszinierend zum einen, wie Durant über die zum Teil langen Einstellungen, die langsam und stetig zur Eskalation getriebenen Situationen die Spannung hält, bei der entscheidenden Ausschreitung des Kapitäns gegen den Matrosen auch mal Generalpause macht, als müssten wir alle den Atem anhalten in Erwartung der nun wohl doch losbrechenden Gegengewalt. Zum anderen gibt es wohl Anklänge an Trauermärsche, wenn der tote Märtyrer überführt wird, volkstümliche Freudenlieder, wenn Flöten und Glockenspiel die Solidaritätsboote auf dem Wasser begleiten, auch Fanfaren und eine durch Klangstäbe glockengleich untermalte Hymne zum hoffnungsvollen, quasi-religiös überhöhten Schluss. Doch die im Zuge der Neutöner der 20er wie Alban Berg oder Hindemith durchgehende disharmonische Brechung entschlackt das sonst allzu Mulmige, schafft Aufmerksamkeit, ja in der rhythmischen Akzentuierung durch allerlei Schlagwerk eine wachrüttelnde Dynamik, wie sie dem politischen Gehalt gut ansteht.

Hier lümmelt man sich nicht weich zurück, wird aber auch nicht von monumentalen Allroundsounds in die Sessel gedrückt. Schicksalhafte Überwältigung ist nicht, bei Eisenstein ist Geschichte änderbar. Der Mensch behält das Heft in der Hand. Insofern war es eine Geschmacksverirrung erster Güte, dass man meinte, dem Schwarzweiß-Meisterwerk an dramatischen Stellen mit Rotlichteffekten im Saal aufhelfen sollen.

Film und Musik bewiesen ihre Kraft. Dass sich nicht mehr Filmfestfreunde solche Perlen der Filmkunst ansehen, ist schade, nur Mittel- und Hochparkett waren besetzt. Aber der Applaus war kraftvoll.”

From Mike Rumpf in Filmmusik 2000:

“Die Perspektive seiner Musik ist deshalb zwangsläufig die der Neuinterpretation aus heutiger Sicht. War Eisensteins Film in der Entstehungszeit als Mittel zur politischen Agitation gedacht, reflektiert Durants Arbeit diese Rolle aus zeitlicher Distanz. Ähnlich wie Meisel nutzt er das Stilmittel der Illustration und lässt sich in Teilen von dessen Vertonung inspirieren: So stehen etwa in beiden Musiken die militärischen Trommelrhythmen für die grausame Härte der ihre Macht missbrauchenden Offiziere an Bord des Schiffes. Doch Durant setzt zugleich schärfere Akzente: Der Einsatz von fahlen Klangfarben und Dissonanzen versinnbildlicht stärker als Meisel das faule Fleisch, dass die Matrosen zum Fraß vorgesetzt bekommen. Und die filmhistorisch einflussreiche Treppenszene begleitet er mit einem orchestralen Tumult, der das ganze Chaos und den irrsinnigen Taumel dieser Sequenz weit über die einfache propagandistische Funktion hinaus nachzeichnet. Wo Meisels ebenfalls exzellente Musik im Vergleich direkter erscheint, arbeitet Durant immer wieder mit unterschwelligen Zwischentönen. Dies fällt nicht zuletzt in den wenigen leichteren Momenten der frühen Odessa-Szenen auf, in denen Durant zwar mit seufzenden Violinen die Solidarität der Menschen zelebriert, aber mit dissonanten Akzenten nicht nur das Kommende andeutet, sondern auch einen geschickten Kontrapunkt zur von Eisenstein intendierten Agitation setzt.

Und die hat es in sich: Die Nahaufnahmen der angesichts der Gewalt entsetzten Menschen, ihre Gesichter zu Fratzen entstellt. Die kongeniale Inszenierung von rastloser Bewegung. Und im Kontrast dazu die unheilschwangeren Nachteinstellungen: Sie können hier ihre volle Wirkung entfalten, ohne dass der Blick von heute verloren ginge. Und so eröffnet sich durch die Musik eine hochinteressante Metaebene, die Eisensteins suggestive Bildsprache mit ihrer visionären Montage ebenso wenig kaputt macht wie sie sie vorbehaltlos stehen lässt. Und damit ist der große Stummfilm auch im Jahr 2018, in dem sich der Kieler Matrosenaufstand zum hundertsten Mal jährt, absolut geeignet, ein internationales Filmfestival zu eröffnen. Und nicht zuletzt durch das kraftvolle Spiel des Braunschweiger Staatsorchesters unter Leitung des Komponisten wurde die Aufführung zu einer gleichermaßen packenden wie intensiven filmischen Erfahrung.”

From Thomas Donha in the Neue Westfälische Zeitung (Bielefeld performance):

“Das Chaos auf der Treppe nimmt Durant auf. Die steigende Ungewissheit in der Mannscha! beim Auflaufen des Schi"es auf die Admiralsflotte setzt Durant intensiv um.

Irgendwann verschmelzen Film und Musik, woran auch das souverän und genau spielende Braunschweiger Staatsorchester seinen Anteil hatte.

Das Publikum reagierte wie vor 90 Jahren, als der Film in ganz Europa gezeigt wurde: emotional mitgenommen, mit emphatischem, lang anhaltendem Applaus.”